Kontext
Knapp zwei Jahre lang hat uns der Titel des Festakts begleitet: Abbruch, Aufbruch, Einbruch.
Es wurde nach Übersetzungen, Assoziationsräumen und jenen Geschichten gesucht, die wir erzählen wollen.
Ein Prozess, der die Utopie kollektiven Arbeitens an ihre Grenzen führte – der Kreativität immer wieder gegen Pragmatismus ausspielte und deutlich machte, wie schwer es ist, unangepasst zu bleiben, wenn der nächste Job, der Förderantrag oder die eigene Existenz auf dem Spiel stehen. Was bedeutet es, radikal zu denken, wenn die Bedingungen um einen herum permanent nach Kompromiss verlangen?
Nächtliche Diskussionen, produktiver Streit, aber auch geteilte Erschöpfung und gegenseitige Ermutigung haben über die vergangenen zwei Jahre ein dichtes Netzwerk entstehen lassen. Dieses Netzwerk hat vor allem ein Bewusstsein geschärft: was es heißt, 2025 Musiktheater zu machen – unter den aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen. Wir sind nicht nur Beobachter*innen, sondern unmittelbar Beteiligte und tragen für die Inhalte und Strukturen Verantwortung.
Ein guter Zeitpunkt, Abbruch, Aufbruch, Einbruch wörtlich zu nehmen: uns vorzustellen, was ohne Musiktheater fehlen würde, zu fragen, was es braucht, um weiterzugehen – und uns entschlossen Zugang zu den Opernhäusern zu verschaffen.
Was würden wir bei dieser Gelegenheit mitnehmen?
Was darf bleiben?
Was wird ausgetauscht?
Wer hat Zugang?
Wie kann Zusammenarbeit gelingen?
Wie lassen sich Entscheidungsprozesse gestalten?
Wie gehen wir mit Risiko, Scheitern und Unsicherheit um?
Was macht Hoffnung auf Veränderung?
Was muss noch passieren?
Was können wir dazu beitragen?
Was liegt in unserer Verantwortung?
Redaktion: Flavia Wolfgramm und Marlene Schleicher


